Stellungnahme zur Fusion von Josephinum und Marienschule

im Mai 2020


Bischof Heiner hat in einer Erklärung vom 17.4.2020 mitgeteilt, dass er beschlossen hat, die beiden katholischen Hildesheimer Gymnasien - die Marienschule und unser Josephinum - zu einem Gymnasium zusammenzuführen. Die geplante Fusion der beiden Schulen veranlasst den Vorstand des Vereins ehemaliger Josephiner zu folgender Stellungnahme:

Die Analyse der mittel- und langfristigen Schulentwicklungsplanung zeigt, dass eine Fusion der beiden Gymnasien zwingend notwendig ist. Das macht ein Blick auf die demographische Entwicklung insgesamt, ganz besonders aber auf den katholischen Bevölkerungsteil in Stadt und Landkreis Hildesheim deutlich. Ohne die Fusion würde das Josephinum schon bald auf eine 3-Zügigkeit absinken, was die Funktionsfähigkeit des Kurssystems im Hinblick auf ein breit gefächertes Kursangebot in der Sekundarstufe II erheblich beeinträchtigen würde. Das gilt in gleicher Weise auch für die Marienschule. Nur durch die Fusion kann ein 5- bis 6-zügiges leistungsfähiges Gymnasium entstehen, das den Anforderungen der Zukunft gewachsen sein wird.

Um es klar und deutlich zu formulieren: Ohne Fusion haben weder das Josephinum noch die Marienschule eine Zukunftsperspektive!

Ein weiterer Aspekt, der in diesem Zusammenhang nicht übersehen werden darf, ist die bauliche Substanz der Schulgebäude. Das Kolleggebäude befindet sich in einem desolaten Zustand. Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Der Gebäudekomplex der Marienschule ist seit Jahren stark sanierungsbedürftig. Hier wird nur ein Neubau eine geeignete Lösung erbringen können.

Eng verbunden mit der baulichen Problematik ist der Aspekt der Finanzen des Schulträgers. Nach den Analysen der Bevölkerungsstatistiker und Soziologen wird sich die Zahl der Kirchensteuerzahler in den nächsten Jahren signifikant verringern. Die zurückgehenden Kirchensteuereinnahmen spielen dabei eine entscheidende Rolle. Dass der Schulträger mit den finanziellen Ressourcen angesichts zahlreicher anderer wichtiger Verpflichtungen verantwortungsvoll umgehen muss, ist plausibel und nachvollziehbar. Diese dargelegte Gemengelage von Problemen erzeugt einen unaufschiebbaren Handlungsbedarf, der sich jedem unvoreingenommenen Betrachter zwingend erschließt.

Der Josephinerverein hat in den letzten Jahrzehnten eine beispiellose Mitgliederentwicklung erlebt, die bis heute zu dem hervorragenden Stand von 2.581 Mitgliedern geführt hat. Alle Mitglieder fühlen sich seit der Gründung des Vereins im Jahre 1908 zwei Grundprinzipien verpflichtet: Sie kümmern sich zum einen mit Engagement und Zielstrebigkeit um die ideelle und finanzielle Unterstützung ihres Josephinums. Zum anderen fördert der Josephinerverein zeitgemäß und kreativ das Zusammengehörigkeitsgefühl der ehemaligen Josephiner. Beides hat zu einem Grad an Identifikation der Mitglieder mit ihrem Josephinum geführt, den man ohne Übertreibung in Deutschlands Schullandschaft als außergewöhnlich bezeichnen darf.

Bei allen berechtigten Fusionsplänen muss daher der identitätsstiftende Markenname „Josephinum“ erhalten bleiben; darüber hinaus besitzt unsere Schule auf der Grundlage des Konkordats zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Land Niedersachsen (§6, Absatz 1) einen einzigartigen völkerrechtswirksamen Status, der nicht aufgegeben werden darf.

Der Verein ehemaliger Josephiner hat die Schülerinnen und Schüler des Josephinums in der Vergangenheit in vielfältiger Weise gefördert und unterstützt und viele Projekte und Aktivitäten, die dazu beigetragen haben, den hervorragenden Ruf unserer Schule in Stadt und Land zu begründen, ermöglicht.

Zurzeit unterstützt der Josephinerverein mit großem Engagement den Prozess der Digitalisierung am Josephinum. Für die Umsetzung des Konzepts, das das Josephinum erarbeitet, um für die Herausforderungen der Zukunft gewappnet zu sein, sind erhebliche finanzielle Mittel bereitgestellt worden. Gleichzeitig liegt uns die individuelle Förderung besonders unterstützungsbedürftiger Schülerinnen und Schüler, die es aufgrund ihres sozialen Umfeldes schwer haben, am Herzen. Die finanzielle Unterstützung dieser Schülerinnen und Schüler war und ist dem Josephinerverein ein besonderes Anliegen.

Für den Josephinerverein ist es eine Selbstverständlichkeit, dieses starke ideelle und finanzielle Engagement auch auf das „neue“ Josephinum zu übertragen.

Daher erklären wir mit Nachdruck unsere Bereitschaft, den sicherlich nicht einfachen Fusionsprozess mit großer Offenheit und Solidarität konstruktiv, kreativ und unter Einsatz unserer starken finanziellen Mittel und Möglichkeiten zum Wohl der Schülerinnen und Schüler zu begleiten.

Für den Vorstand des Vereins ehemaliger Josephiner e.V.